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Traditionelle Sportvereine vs eSport – Konkurrenz oder Bereicherung?

Gerade Fußballfans sind in den letzten Tagen irritiert. Ein Verein nach dem anderen steigt in den eSport ein. Viele fassen sich an den Kopf und einige behaupten sogar, dass sich die traditionsträchtigen Vereine lieber auf ihre Kernkompetenzen fokussieren sollten. Haben sie damit nicht ganz unrecht? Oder ist es eine erfrischende Ergänzung für die Vereine? Ein Gastbeitrag von Mandy vom eSports Blog https://esportlive.org.

Wie alles begann

Als Schalke 04 in den eSport einstieg, wurde der Verein nett belächelt. Böse Zungen behaupteten, dass sie ja irgendwie ihr Überleben im Sport sichern müssen. Die Zeichen standen am Anfang sogar mehr als gut und die kritischen Stimmen verstummten. Ihr League of Legends-Team war hochkarätig besetzt und der Verein hat mehr finanzielle Mittel als so manch ein anderes Team aus der Szene. Es kam jedoch alles ganz anders.

Das Team wurde zu Beginn als heißer Favorit gehandelt. Doch aus dem heißem Favorit wurde nur heiße Luft. Schalke 04 stieg schon nach einer Saison ab. Viele eSports-Enthusiasten waren enttäuscht. Sie hatten die Hoffnung, dass mit dem Einstieg eines so bekannten Vereins endlich der elektronische Sport im Mainstream angekommen ist. Die kritischen Stimmen aus den eigenen Fanreihen wurden wieder laut. Schalke 04 stieg aber wie der Phoenix aus der Asche.

530 Tage später waren sie wieder zurück. Sie waren wieder in der Königsklasse angekommen. Aus den vergangenen Fehlern haben sie gelernt. Sie haben ein sehr gutes Team aufgestellt, die Infrastruktur verbessert und sind mit neuen Elan in die neue Saison gestartet. Derzeit belegen sie zusammen mit G2 eSports und Vitality den dritten Platz in League of Legends. Haben sie damit gezeigt, dass auch ein traditioneller Sportverein erfolgreich im elektronischen Sport Fuß fassen kann?

Die Erfolgsgeschichte beginnt

Zwar waren die traditionellen Sportvereine erst einmal skeptisch nach dem sofortigen Abstieg von Schalke 04, aber sie haben erkannt, dass in eSports ein riesiges Potenzial schlummert. Ein Potenzial, dass man sich nicht entgehen lassen will. Fußballvereine sehen es als perfekte Ergänzung zum realen Sport und erst kürzlich ist Werder Bremen eingestiegen.

„Wir haben uns ganz bewusst für den Einstieg bei FIFA entschieden, weil sich der reale und der digitale Fußball sehr gut miteinander verbinden lassen. Es ist aus unserer Sicht ein sehr authentischer Schritt. Mit dem Einstieg bei FIFA wollen wir unserer langen Tradition ein ergänzendes, digitales Kapitel hinzufügen“, sagt Dominik Kupilas, Leiter Content & Digital eSport. (Quelle: Werder Bremen)

Diese Aussage zeigt deutlich, welchen Stellenwert eSport für traditionelle Sportvereine haben kann. Sie ergänzen sinnvoll ihr Portfolio und bringen die Realität auch in die virtuelle Welt. Eine spannende Entwicklung, nicht nur für eSport-Anhänger, sondern auch für Fußballfans. Doch nicht jeder Verein ist so überglücklich über den neuen Trend und sträubt sich mit Händen und Füßen.

Der FC Bayern – Platzhirsch auf dem Rasen, Angsthase in der virtuellen Welt

Der FC Bayern ist ein Musterbeispiel für die Denkweise so einiger Vereine. Fußball ist die einzig wahre Sportart und die Jugend gehört nach draußen auf den Rasen. Virtuell Fußball miteinander spielen? No way. Das kann und darf nicht sein. Zumindest wenn es nach Uli Hoeneß geht, der sich ganz klar gegen eSport ausgesprochen hat.

„Es wäre totaler Schwachsinn, wenn der Staat nur einen Euro dazu geben würde. Junge Leute sollen Sport auf dem Trainingsplatz treiben. Es gibt beim FC Bayern auch Bestrebungen. Ich bin dagegen. Stehe aber relativ allein da“, sagte der Präsident von Bayern München auf einer CSU-Veranstaltung in seinem Heimatort Bad Wiessee und ergänzte: „Ich sehe ein großes Problem auf uns zukommen. Das darf auf keinen Fall olympisch werden.“

Wie er aber schon andeutete, ist er damit aber alleine auf weiter Flur. Auch der FC Bayern hat die Chancen erkannt. Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt um in den elektronischen Sport zu investieren. Wenn schon nicht in Fußball, dann wenigstens in Basketball, in NBA 2K.


Erst im Mai aufgestellt und schon jetzt in den Top 10 der Weltrangliste. Nicht nur im Fußball zeigen sie den Gegner, wer das Sagen hat, sondern auch schon im virtuellen Basketball. Bleibt nur zu hoffen, dass die Fußball-Sektion die Erfolge anerkennt und den Gegnern auch bald in FIFA 18 das Fürchten lehren.

Das Ende der Geschichte

Ende? Habe ich Ende gesagt? Nein, Ende ist wohl nicht das passende Wort. Eher der Anfang der Geschichte. Eine Geschichte, die von Siegen, Meisterschaften, aber auch von der ein oder anderen Niederlage und die Angst vor dem Abstieg im elektronischen Sport erzählt. eSport ist der Trend, der nicht mehr aufzuhalten ist. Die Jugend liebt es und die Stadien sind regelmäßig prall gefüllt mit Fans, die ihre Lieblingsspieler und Teams anfeuern. Die Parallelen zu traditionellen Sportarten sind spätestens jetzt für jeden ersichtlich.

Wenn nicht jetzt, wann dann? Diese Frage sollten sich einige Sportvereine in der kommenden Zeit beantworten, denn eSport ist Zukunft. Es ist eine Bereicherung für jeden Einzelnen und ergänzt perfekt die Kernkompetenzen der Sportvereine. Selbst wenn ein Verein nicht erfolgreich im realen Sport ist, warum nicht den Hype in den eSport übertragen und dort ein Sieg nach dem anderen feiern? Das eine muss das andere nicht ausschließen. Dies zu erkennen ist für manche Funktionäre noch schwer. Doch der Wandel der Zeit ist nicht mehr aufzuhalten. Nicht mehr jetzt.

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